Überschuldung ? Das Problem beherzt anpacken!

Bei jeder Überschuldung gelten die beiden Tipps, dass sich Betroffene einen finanziellen Überblick verschaffen und möglichst viel Einsparpotenzial realisieren sollten. Überschuldung ist aber nicht gleich Überschuldung, in der Praxis kommen vielfältige Formen vor. Entsprechend unterschiedlich fallen die empfohlenen Herangehensweisen aus.

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Die Verschuldung und Handlungsoptionen genau analysieren

Verfügen Sie über Schulden, sollten Sie diese einer detaillierten Analyse unterziehen. So fragt sich, bei wem und für was sie sich verschuldet haben. Leiden Sie unter einem zu hohen Immobilienkredit, verfügen Sie zumindest über eine Immobilie und damit über Vermögen? Liegt der Wert des Eigentums auf oder über dem Kaufpreis, können Sie Ihre Schulden durch einen Verkauf tilgen? Dann verlieren Sie zwar einen Lebenstraum, Sie überwinden aber Ihre finanzielle Sorgen. Alternativ lassen sich eventuell mit einer Umschuldung die monatlichen Raten senken, sodass Sie diese wieder stemmen können. Beim Fachverlag Haufe (externer Link) finden Sie dazu nützliche Literatur mit konkreten Tipps. Wenn Sie aber keinen Gegenwert besitzen, etwa aufgrund zu teuren Käufen auf Ratenzahlung oder einer gescheiterten Existenzgründung, sieht die Lage anders aus. Versuchen Sie die Schulden zu reduzieren, indem Sie möglicherweise vorhandene wertvolle Gegenstände verkaufen. Dazu können technisches Gerät, Kunstgegenstände oder Briefmarken gehören. Denken Sie daran: Droht bald der Besuch des Gerichtsvollziehers, zieht dieser diese Gegenstände ein. Zu Ihrem finanziellen Vorteil ist das nicht. Bestenfalls können Sie diesen Schritt komplett verhindern, indem Sie frühzeitig mit allen Gläubigern Kontakt aufnehmen.

Aktives Schuldenmanagement statt Passivität

Beim Abbau von Schulden genießt die Vermeidung rechtlicher Schritte seitens der Gläubiger höchste Priorität. Sie führen nicht nur zu erhöhten Kosten, zum Beispiel durch Mahngebühren. Zudem bedeuten sie bei einer gerichtlich durchgesetzten Pfändung den Verlust der Handlungsfreiheit. Suchen Sie deshalb den Kontakt zu den Gläubigern und unterbreiten Sie Ihnen ein realistisches Angebot, wie Sie die offenen Rechnungen begleichen wollen. Sie sollten am besten eine Anzahlung in Aussicht stellen und eine Ratenzahlung vorschlagen. Diese Raten sollten so hoch liegen, dass sich Gläubiger damit mit hoher Wahrscheinlichkeit zufriedengeben. Sie sollten diese Raten aber zugleich zuverlässig überweisen können, ansonsten verlieren Sie schnell jegliche Glaubwürdigkeit. Diese Kontaktaufnahmen erfordern ein Grundgefühl dafür, wem sie was anbieten sollen. Laien können nur schwer einschätzen, wie unterschiedliche Gläubiger darauf reagieren und welche Schulden besonders drängen. Es empfiehlt sich deshalb ein Blick in Ratgeberliteratur und der Gang zu einer Schuldnerberatung. Schuldenberater helfen Ihnen mit zahlreichen praktischen Tipps, die auf ihrer Berufserfahrung basieren.

Die Privatinsolvenz als Ausweg: Was sie bedeutet

Ein Schuldenberater analysiert auch Ihre Gesamtsituation und weist darauf hin, wenn er als Ausweg nur eine Verbraucherinsolvenz sieht. Dieses Verfahren kommt dann infrage, wenn Sie Ihre Schulden auf absehbare Zeit nicht tilgen können. Es besteht aus mehreren klar geregelten Schritten:

– Zuerst besorgen Sie sich von den Gläubigern eine Forderungsaufstellung. Mit der Hilfe einer Schuldenberatung formulieren Sie auf dieser Grundlage einen Schuldenbereinigungsplan.
– Nehmen alle Gläubiger diesen Plan an, einigen Sie sich außergerichtlich. Fortan zahlen Sie die vereinbarten Raten. Widerspricht nur ein Gläubiger, kommt es zum gerichtlichen Verfahren.
– Sechs Jahre lang müssen Sie sich einschränken, alle Einkünfte oberhalb der persönlichen Pfändungsgrenze zieht der Insolvenzverwalter ein. Das Positive: Dieses Verfahren dauert nur sechs Jahre, danach beschließt das Gericht eine Restschuldenbefreiung. Das setzt nur voraus, dass sie während dieser Zeit Wohlverhalten aufzeigen, dass Sie sich zum Beispiel um eine gut entlohnte Arbeitsstelle bemühen.

Dies ist ein Gastbeitrag von Andy Müller für den Haufe-Verlag.

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