Kann ein ETF auf null fallen?

Ok – ich werde es probieren. Den Link zu der Seite hast du gerade erhalten. Du stellst mir eine Frage und ich versuche diese mit einfachen Worten zu beantworten.


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Es geht los: Kann ein ETF auf null fallen?

Um diese Frage zu beantworten will ich kurz erklären, was ein ETF eigentlich ist:

Ein ETF ist ein „Korb“ voller Wertpapiere  – also beispielsweise Aktien. Dieser Korb umfasst beispielsweise alle Aktien eines Index, Aktien einer Branche oder auch einer Region. Zumindest sind es immer mehrere einzelne Wertpapiere.

Beispielsweise enthält ein ETF auf den DAX 30 Werte. Ein ETF auf den Dow Jones ebenfalls. Der S&P500 beinhaltet 500 Werte – ein ETF auf den S&P 500 also ebenfalls.

Zudem zählt ein ETF zum sogenannten Sondervermögen. Heisst das Kapital des Anlegers wird nicht mit dem Kapital der Investmentgesellschaft vermischt, sondern separat verwahrt. So ist das Geld auch im Fall einer Insolvenz der Investmentgesellschaft geschützt. Im Detail gibt es noch Unterschiede zwischen der voll replizierenden ETFs (alle Titel werden im ETF 1:1 gekauft, kein Ausfallrisiko) und swap-basierten ETFs („Tauschgeschäft“, geringes Ausfallrisiko von max. 10%).

Aber davon mal abgesehen: ein ETF enthält also eine gewisse Menge von beispielsweise Aktien. Diese Aktien haben eine Marktkapitalisierung und einen Kurs und diese wiederum spiegeln sich im Kurs des ETF wieder. Nehmen wir als Beispiel den iShares Core DAX UCITS ETF.

Dieser wurde am 27.12.2000 aufgelegt:

Im Dezember 2000 kostete ein Anteil 63€. Bereits bis März 2003 hatte der ETF in der Spitze 65% verloren. Der Preis je Anteil zu diesem Zeitpunkt: etwa 22€.

Es folgte ein Anstieg bis fast 80€ je Anteil im Juli 2007 und ein weiterer Einbruch bis März 2009 auf 37€. 

Seit dem ging es -mit mehr oder minder kleinen Schwankungen- bis Februar 2020 nach oben. In der Spitze hatte der ETF einen Kurs von fast 120€. Ein Investment hätte sich zu diesem Zeitpunkt also nahezu verdoppelt.

Kann ein ETF auf null fallen? Dieser Chart soll als Beispiel dienen.

Quelle: comdirect – iShares Core DAX UCITS ETF

Da es sich um einen thesaurierenden* ETF handelt, sind in der Zwischenzeit auch weitere Anteile durch die Wiederanlage der Ausschüttungen hinzugekommen.

(*Thesaurierend bedeutet, dass Gewinne, welche ausgeschüttet werden, automatisch wieder investiert werden und man somit neue zusätzliche Anteile kauft.)

Derzeit steht der ETF bei einem Kurs von 82€ (Stand 27.03.2020) und aus dem ursprünglichen Investment von 2.500 Euro wären etwas mehr als 3.600€ -plus weiterer Anteile- geworden.

Somit hat der ETF in den letzten 19 Jahren eine ordentliche Rendite erwirtschaftet. Und das, obwohl es zwischenzeitlich -trotz Immobilienkrise, Bankenkrise und der derzeitigen Situation- eine echte Berg- und Talfahrt gab.

Um den Wert des ETF auf null fallen zu lassen, müssten in diesem Beispiel alle im DAX enthaltenen Werte ebenso also auf null fallen. Demnach wären Schwergewichte wie SAP, Allianz, Siemens, Bayer oder BASF plötzlich von der Bildfläche verschwunden und insolvent bzw. nicht mehr existent. Dies Szenario ist eher unwahrscheinlich. Und selbst wenn es so wäre, wäre die Sorge um Geld wohl sie kleinste die wir hätten.

Der große Vorteil eines ETF ist die „Bündelung“ mehrerer Werte in einem „Korb“. Im Vergleich gegenüber dem Investment in Einzelwerten ist der Totalausfall also so gut wie ausgeschlossen.

4 Kommentare
  1. Timo
    Timo sagte:

    Du schreibst: „Um den Wert des ETF auf null fallen zu lassen, müssten in diesem Beispiel alle im DAX enthaltenen Werte ebenso also auf null fallen. Demnach wären Schwergewichte wie SAP, Allianz, Siemens, Bayer oder BASF plötzlich von der Bildfläche verschwunden und insolvent bzw. nicht mehr existent.“

    Streng genommen würde nicht mal dann der DAX und sein ETF auf Null fallen. Solange es noch eine einzige AG in Deutschland gibt existiert der DAX und damit der ETF.
    Klar, wird der Wert eines ETF Anteils in so einem Szenario sehr nahe an die 0€ rankommen UND es ist sicherlich auch so, dass wir in so einem Szenario andere Probleme haben. Selbst wenn es „nur“ eine Verstaatlichung aller Unternehmen ist..

    • Elmar
      Elmar sagte:

      Hallo Timo,
      danke für deine Ergänzung. Damit hast du natürlich vollkommen Recht.
      Genau genommen würden ja Unternehmen „nachrücken“, um die ausgefallenen Unternehmen im DAX zu ersetzen…

  2. Marko
    Marko sagte:

    Es gibt drei Szenarien, in denen ein Index (und damit der darauf basierende ETF) auf nahezu null fallen kann. Erstens ein kleiner, lokaler Index mit wenigen Unternehmen. Das beste Beispiel ist wohl der Dow Jones Cyprus 10 Titans Index, schau dir da mal den Chart an. Ob es darauf ursprünglich mal ETFs gab, weiß ich allerdings nicht. Das zweite Szenario sind gehebelte ETFs. Das dritte Szenario sind Rohstoff-ETCs wie der United States Oil Fund (USO), die gegen eine meist steigende Futures-Kurve ankämpfen.

    • Elmar
      Elmar sagte:

      Hi Marko,

      beeindruckende Seite!

      Mit deinen Beispielen hast du die Möglichkeiten des ETF Universum gut erweitert.

      Der Chart vom Dow Jones Cyprus 10 Titans Index sieht natürlich verheerend aus – allerdings habe ich bei der Suche jetzt keinen ETF dazu gefunden.
      Ein ähnliches Bild zeichnet sich beim USO ab. Aber auch der steht noch nicht bei null. ;-)

      Ein ETF mit Hebel würde ich eher als Sonderfall bezeichnen.
      Bei so einem Produkt sollte der Anleger wissen, welche zusätzlichen Risiken bestehen.

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