Sind Dividenden die neuen Zinsen?

Beim einkaufen habe ich letzte Woche in einer Börsenzeitschrift (ich denke, es war der „Aktionär“) als Titelstory gelesen: „Dividendenstars, trotz Minizinsen abkassieren“ – so oder so ähnlich.


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Das war für mich nun Grund, etwas darüber zu schreiben und mal zu hinterfragen, ob es nun mit Dividenden fast zu spät ist, um sinnvoll zu investieren, denn schließlich lese ich an jeder zweiten Ecke etwas über Dividenden..

Zinsen oder Dividenden

Das Zinsniveau ist nach wie vor auf einem historisch niedrigen Stand. Dennoch versuchen Anleger ihre Rendite zu steigern. Sparbuch, Festgeld oder Tagesgeld verzinsen das Guthaben nur noch mit Minizinsen. Aber börsennotierte Unternehmen belohnen ihre Anleger mit satten Dividenden – Tendenz steigend.

Seit der Satz „Dividenden sind die neuen Zinsen“ seit einiger Zeit die Runde macht, beginnen nun auch zunehmend konservative Anleger, dividendenstarke Aktien als Ergänzung zu Anleihen ins Depot zu legen. Allein im DAX wurden in 2015 knapp 30 Milliarden Dividenden ausgeschüttet. In 2014 lag die weltweit ausgeschüttete Summe aller Dividenden bei unglaublichen 1,167 Milliarden $.

Außerdem wirken sich die Dividenden stabilisierend auf das Depot aus: Laut Allianz Global Research weisen die Unternehmensgewinne seit 1955 eine höhere Volatilität auf, als die Dividenden. Besonders spürte man diese Effekt in der Euro- & Finanzkrise zwischen 2005 und 2014: in diesem Zeitraum schwankten die Unternehmensgewinne um 60% – die Volatilität der Dividenden im gleichen Zeitraum lag jedoch nur bei 5%. Damit erhalten die Aktionäre ein klares Zeichen seitens der Unternehmen: auch wenn’s wirtschaftlich ruhe Zeiten sind, versuchen die Konzerne alles, um die Dividenden stabil zu halten.

Dividendenrendite und Dividendenerhöhung

Als Aktionär eines Unternehmens profitiere ich nicht nur von Kurssteigerungen sondern auch von Dividenden in zweifacher Hinsicht: zum ersten die derzeit gezahlt Dividende und zum zweiten die mögliche Dividendensteigerung, die eigentlich als Hebel auf mein eingesetztes Kapital funktioniert.

Die durchschnittliche Dividendenrendite liegt im Dax aktuell bei 2,5% – das ist eine deutliche höherer Rendite, als bei Staatsanleihen, Festgeld, Tagesgeld oder Sparbuch.

Dazu ein kleines Rechenbeispiel: Der DAX ist ein Performance-Index. Das heißt, sein Kurs beinhaltet die reinvestierten Dividenden der enthaltenen Unternehmen. Während der Performance-DAX seit Auflage 1988 einen Zuwachs von sagenhaften 970% zu verzeichnen hat, würde die Entwicklung ohne Dividenden „lediglich“ 442% betragen.

Allerdings ist nicht nur die Höhe der Ausschüttungen ausschlaggebend. Im Gegenteil: Dividendenrenditen von 6% können durchaus wirtschaftlich sein, jedoch besteht auch die Möglichkeit, dass das Unternehmen diese höhe der Ausschüttung nicht dauerhaft aufrechterhalten kann. Daher sollte zusätzlich immer ein Blick auf die Ausschüttungsquote geworfen werden. Diese zeigt an, wieviel Prozent des Unternehmensgewinns zur Zahlung der Dividenden aufgewendet werden muss. Sollte der gesamte Gewinn den Dividenden zufließen, ist das Unternehmen nicht mehr in der Lage, in eigens Wachstum zu investieren. Daraus resultiert dann, das in Folge auch die Unternehmensgewinne nicht mehr sonderlich wachsen dürften, da als Basis weiteres firmeninternes Investment fehlt.

Dividendenaristokraten

Ebenso wichtig ist eine konstante Dividendenzahlung. Ein Strohfeuer für eine kurzfristigen Zeitraum ist für den Anlegern kaum profitabel. Daher sollte die Dividende über einen möglichst langen historischen Zeitraum gezahlt worden sein. Im optimalen Fall mit regelmäßigen Steigerungen. Derartige Unternehmen werden gemeinhin als Dividendenaristokrat bezeichnet.

Dividende: 1x jährlich, halbjährlich oder per Quartal

Bei den meisten Deutschen Firmen wird die Dividende einmal jährlich im Frühjahr gezahlt, viele Europäische Firmen teilen die Dividende und zahlen sie dann halbjährlich und die USA zahlen die Dividende meist pro Quartal oder gar monatlich- nicht zuletzt weil die private Vorsorge in den USA eine bedeutende Rolle spielt und die Dividende von den meisten Anlegern als Rente genutzt wird.

Die Dividende kann dauerhaft und nachhaltig natürlich nur gezahlt werden, wenn das Unternehmen auch Gewinne erwirtschaftet. In einigen Fällen zahlen Unternehmen die Dividende nicht aus dem gewinn, sondern aus den Rücklagen – also aus der Substanz. Die zu zahlende Dividende schlagen Vorstand und Aufsichtsrat vor, um dann auf der HV von den Aktionären darüber abstimmen zu lassen.

meine Strategie

Ich werde an meiner Strategie festhalten und weiter substanzstarke Unternehmen kaufen, welche mir regelmäßige Dividenden ausschütten. Zudem ist die Dividendenstrategie eine der erprobtesten Strategien überhaupt. Auf lange Sicht stammt die Hälfte der Performance aus Dividendenerträgen, sofern diese immer wieder reinvestiert werden. Und genau das mache ich auch. Derzeit sind meine Dividenden noch zu gering, um nach einem Monat ein neues Investment davon zu tätigen. Ebenso macht es für mich derzeit nich keinen Sinn, Aktien als Dividende zu akzeptieren. Aber die monatlich gezahlten Erträge werden auf dem Verrechnungskonto gesammelt und in diesem Jahr wird die Summe deutlich über 500 Euro liegen und damit ausreichend sein, um einen Kauf zu tätigen.

Was meint Ihr? Eure Depots bestehen teilweise schon seit vielen Jahren und wurden nicht auf Grund eine Hypes aufgebaut. Ich glaube ja, dass Dividendentitel, so fern sie noch nicht von der breiten Masse als das Investment gesehen werden, noch einen deutlichen Schub durch die Anleger erhalten werden, die nich auf den Zug aufspringen wollen. Außerdem sind die meisten Unternehmen absolut Substanzstark. Macht es inzwischen schon Sinn, sich nach anderen Investment-Ansätzen umzusehen? Was meint ihr?

4 Kommentare
  1. wirtschaftswaise
    wirtschaftswaise sagte:

    So – gerne auch zum Thema.

    Zunächst mal denke ich, dass für Otto-Normal-Sparer Aktien zu „riskant“ sind und er sich deshalb in den meisten Fällen auch nie Gedanken über Dividenden machen wird. Der Zocker-Typ wiederrum findet Dividenden wohl eher langweilig und sucht dann lieber kurzfristige Kursgewinne (Trading). Ich glaube also nicht, dass es einen Schub durch Späteinsteiger geben wird, die jetzt mit der „Dividenden sind die neuen Zinsen“-Strategie in den Markt drängen.
    Interessant finde ich momentan die mathematische Frage, wie sich auf lange Frist (bei regelmäßigen ähnlich großen Investments und einigermaßen regelmäßiger Dividendenausschüttung) der Anteil der Dividenden am Gesamtdepotwert entwickelt. Bei uns steigt er langsam und konitnuierlich an. Ich bin mal gespannt, auf welchen Wert sich diese Kurve langfristig zubewegt (Reinvestitionsquote: 100%)…

    • Autor
      Autor sagte:

      Guter Einwand. Aber ich denke, du hast Recht: für den einen zu spekulativ, für den anderen uninteressant…
      Bleibt aber abzuwarten, was passiert, wenn auf breiter Front klar wird, dass Aktien alternativlos sind!
      Ich reinvestiere auch zu 100% und bin – ähnlich wie du – gespannt, wie sich das entwickelt. Aktuell ist der Anteil am Gesamtdepot ehr gering bei mir, aber die Zeit bringt’s.
      Ich bin mir nicht mehr sicher, wo ich das gelesen habe – aber in einem Beitrag zum Thema Dividenden gab es einen Investor, der inzwischen höhere Dividenden einnimmt, als die eigentliche Sparquote ist/war. :-)

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