Der Anlagehorizont – die Dauer der Geldanlage

Der Großteil der Anleger unterschätzt die tatsächliche Dauer des eigenen Anlagehorizontes. Oftmals wird hier einfach zu kurz gedacht, oder die eigene Sparleistung überschätzt. Bei Banken kommt hinzu, dass Berater natürlich daran interessiert sind, möglichst Produkte mit kurzer Laufzeit zu verkaufen, da bei jeder Fälligkeit der Tausch in eine neue Anlage ansteht und weitere Gebühren fällig werden.


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Wie lange soll und möchte ich mein Geld anlegen?

Eigentlich ist es ganz einfach. Denn aus den persönlichen Anlagezielen ergibt sich in der Regel der Anlagehorizont, also die Dauer der Geldanlage.

Üblicherweise wird der Anlagehorizont in 3 Zeiträumen unterschieden, wobei der Übergang durchaus fließend, oder – je nach persönlichen Gesichtspunkten – auch anders sein kann.

•kurzfristiger Anlagehorizont: Anlagezeitraum bis 12 oder 24 Monate

•mittelfristiger Anlagehorizont: Anlagezeitraum 12 / 24 Monate bis 6 Jahren

•langfristiger Anlagehorizont: Anlagezeitraum > 6 Jahre

Denn nur wenn neben dem eigentlichen finanziellen Ziel bzw. den einzelnen Investments auch ein passender Anlagehorizont definiert wird, kann eine Anlagestrategie nachhaltig erfolgreich sein. Es macht beispielsweise wenig Sinn, einen Vermögensaufbau für die Dauer der nächsten 30 Jahre einzig mit einem Girokonto zu bestreiten.

Der Anlagehorizont und passende Anlageklassen

kurzfristige Geldanlage

  • Anlagezeitraum: 1-24 Monate
  • Bei der kurzfristigen Geldanlage geht es in den meisten Fällen darum, Vermögen kurzfristig zu „parken“. Der Zeitrum dafür beträgt in der Regel zwischen 1 und 24 Monate. Bei der kurzfristigen Geldanlage ist die Rendite meist relativ gering, die Sicherheit hoch und das Kapital schnell verfügbar.
  • Klassische Instrumente der kurzfristigen Geldanlage sind z.B. Tagesgeld, ETF´s bzw. Fonds auf den Geldmarkt oder auch Festgeld mit entsprechender Laufzeit.

mittelfristige Geldanlage

  • Anlagezeitraum: 2-6 Jahre
  • Die mittelfristige Geldanlage bietet bereits eine etwas größere Auswahl an geeigneten Anlageinstrumenten: auch hier kann Festgeld zum Einsatz kommen. Ebenso sind Investments in Rentenpapiere, ETF´s oder Fonds auf breit gestreute Anleihen, Indizes bzw. den Geldmarkt denkbar. Mögliche Sparziele können hier größere Anschaffungen oder schlicht die Bildung von Eigenkapital sein.
  • Hier wird bereits eine Rendite erwartet, die über dem Geldmarktniveau legt. Dafür muss jedoch mit gesteigertem Risiko und eingeschränkter Liquidität gerechnet werden.

langfristige Geldanlage

  • Anlagezeitraum: länger als 6 Jahre
  • Bei einer langfristig ausgelegten Kapitalanlage sind nahezu alle Formen der Geldanlage denkbar: Aktien, ETF´s, Fonds, Sparpläne, Edelmetalle, Containerbeteiligungen bzw. Immobilien. Allerdings wird die erwartete (höhere) Rendite mit weniger Sicherheit und entsprechend geringer Liquidität erkauft. Bei Wertpapieren ist die Liquidität natürlich jederzeit gewährleistet – aber gerade hier kann es passieren, dass bei benötigter Liquidität eine Flaute an der Börse herrscht und Kursverluste zu Buche stehen.

Daraus ist leicht erkennbar, dass allein das Ziel und die Dauer der Geldanlage nicht ausreichend sind. Eine umfassende Anlagestrategie muss ebenso die Risikobereitschaft des Investors berücksichtigen.

Fazit:

Der eigene Anlagehorizont muss nach dem tatsächlichen Sparzweck / Anlageziel und  dem geplanten Verbrauchszeitpunkt geachtet werden. Dabei sollte der Anlagehorizont nicht zum eigenen Nachteil unterschätzt werden. Besonders bei einem langen Anlagehorizont darf die Anlage auch renditenstarke Anlageklassen wie Aktien oder ETF´s beinhalten. Denn speziell für die Altersvorsorge und Planung des Ruhestandes ergeben sich sehr lange Zeiträume, bis die Ersparnisse wirklich benötigt werden. Daher sollte nicht nur die Zeit bis zur Rente, sondern auch die eigentliche Dauer der Rentenphase berücksichtigt werden. Denn nur so lassen sich letztendlich die passenden Anlagen finden, die je nach Fall, die optimale Mischung von Rendite, Sicherheit und Liquidität bieten.

3 Kommentare
  1. Dominik von depotstudent.de
    Dominik von depotstudent.de sagte:

    Wie sähe es denn aus, wenn ich einen Anlagehorizont von 10 Jahren hätte und das komplette Geld demnach nach 10 Jahren wieder entnehmen möchte? Trotzdem in Aktien/ETFs etc. gehen und hoffen, dass zu der Zeit keine Korrektur stattfindet? Langsames Entsparen ab Jahr 8 oder 9? Oder dann doch bei Festgeld oder Anleihen bleiben?

    Grüße vom Depotstudent Dominik

    • Elmar
      Elmar sagte:

      Hallo Dominik,

      es kommt sicher auf den Einzelfall an. Neben dem eigentlichen Sparziel spielen ebenso Risikoneigung und Portfolioaufteilung ein Rolle. Eine Investition in Aktien oder ETF´s ist -wie wir alle wissen- immer mit einer gewissen Wertschwankung verbunden. Ein Möglichkeit wäre, wie schon von die angesprochen, eine Entsparphase zum Ende der Laufzeit. Einen pauschalen Rat, ob nur Festgeld oder Anleihen kann man daher wohl keinem geben.

      Grüße
      Elmar

  2. André Perko
    André Perko sagte:

    Ein guter ETF Sparplan oder eine Anlage in Aktien/Aktienfonds setzt meist auch einen längeren Anlagehorizont voraus. Manch ein Verbraucher berücksichtigt dabei gar nicht die Entnahmephase z.B. in der Altersvorsorge mit Beginn des Rentenalters, in der Gelder/Anlagen zwingend weiter bestehen und angelegt werden. In dieser „Ruhestandsphase“ haben die wenigsten Anleger eine veränderte Risiko-Rendite-Neigung, so dass auch diese Phase in einer Ruhestandsplanung oder Anlagedauer/Anlagehorizont eingeplant werden kann.

    Herzliche Grüße,
    André

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