ausländische Quellensteuer: Länderübersicht, Rückerstattung und Kosten

Quellensteuer – was ist das?

Wie der Name schon sagt, wird die Quellensteuer nicht vom Steuerzahler selbst bezahlt, sondern direkt an der Quelle einbehalten. Bei uns in Deutschland gibt es unterschiedliche Quellensteuern.
Ein allen bekanntes Beispiel ist die Lohnsteuer: das monatliche Bruttogehalt wird mit der Lohnsteuer versteuert. Um diese Versteuerung muss sich der Arbeitnehmer jedoch nicht selbst kümmern, sondern der Arbeitgeber übernimmt dies. Denn mit der Zahlung des Gehalts tätigt er auch die Zahlung an das Finanzamt und führt die Lohnsteuer damit direkt ab. In diesem Beispiel ist der Arbeitgeber nämlich der Ursprung der Gehaltszahlung – die Quelle sozusagen. Und da die Lohnsteuer vom Arbeitgeber überwiesen wird, handelt es sich dabei um eine Quellensteuer. 

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Bei der Geldanlage sieht es etwas anders aus, aber das Prinzip ist das gleiche. Bei Kapitalerträgen über 801 Euro bei Singles (1.602 Euro für Verheiratete) übernimmt die Bank in der Regel die automatische Versteuerung im Zuge der Abgeltungssteuer. Denn wer in Deutschland als Anleger steuerpflichtig ist, hat seine Einkünfte in Deutschland nach erreichen des Freibetrages in Form der Abgeltungssteuer zu versteuern. Das gilt jedoch nur für inländische Kapitalerträge. 

Tipp: Freistellungsaufträge sinnvoll aufteilen und voll ausnutzen!

Etwas schwerer wird bei den Kapitalgesellschaften, welche im Ausland ausschütten, denn genau bei diesen Kapitalerträgen auf Grund von Investitionen im Ausland kommt es je nach Land zu einer Erhebung der Steuer im entsprechenden Land.

Hier wird eine Quellensteuer in dem Land fällig, in dem auch die Ausschüttung anfällt. Das heißt, dass zuerst in dem Land (Quelle), in dem die Gesellschaft ihren Sitz hat und Dividenden zahlt, die Steuern auf diesen Gewinn abgezogen werden.

Doppelbesteuerungsabkommen:

Um eine zu große finanzielle Steuerbelastung der Anleger zu vermeiden, wurde das sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen einigen Staaten geschlossen. Dies soll verhindern, dass 2 Mal Steuern bei einer Anlage im Ausland gezahlt werden. Das geschieht auf 2 Wegen: Zum ersten wird die im Ausland anfallende Quellensteuer auf die deutsche angerechnet und zum zweiten hat jeder Anleger die Möglichkeit, zu viel gezahlte Steuern zurückzufordern. Wenn im Ausland bereits die Quellensteuer erhoben wurde, wird dies von der deutschen Depotbank berücksichtigt – allerdings nur bis zu einem Anteil von 15%.

Sollte der ausländische Quellensteuersatz höher liegen, wird zunächst ein höherer Anteil abgezogen, da nicht der komplette ausländische Steuersatz verrechnet wird.

Damit ergibt sich in Summe dann ein höherer Steuersatz als die üblichen 25% Abgeltungssteuer (zzgl. Soli und ggfs. Kirchensteuer), welcher zu erhöhten Steuerzahlungen führt. Diese zu viel gezahlten Steuern lassen sich mit entsprechenden Anträgen, welche das Bundeszentralamt für Steuern unter diesem Link bereitstellt, zurückfordern. Je nach Land ist eine 3- oder 4-fache Ausfertigung notwendig, welche dann unter Einhaltung bestimmter Fristen bei der zuständigen Finanzbehörde eingereicht werden muss.

anrechenbare Steuer:

  • Länder ohne Quellensteuer

Besonders einfach ist es für Anleger in Großbritannien, Irland oder Brasilien. Hier fällt keine Quellensteuer an – somit wird einfach nur die deutsche Steuer fällig.

  • Länder mit Quellensteuer und anrechenbarer Quellensteuer

Ebenso einfach ist es in den USA, Niederlanden, Japan und Luxemburg. Denn obwohl die Quellensteuer in den USA 30% beträgt, wird diese bei den deutschen Banken im Vorfeld auf 15% gesenkt und damit vollständig angerechnet. Im Falle der Niederlande, Luxemburg und Japan beträgt die Quellensteuer maximal 15% und wird somit bis zur vollen Höhe automatisch von der deutschen Depotbank verrechnet.

Quellensteuer

Quellensteuer und Anrechnung verschiedener Länder:

  • Land
  • USA
  • Japan
  • Niederlande
  • Luxemburg
  • Spanien
  • Portugal
  • China
  • Russland
  • Dänemark
  • Polen
  • Italien
  • Frankreich
  • Kanada
  • Österreich
  • Finnland
  • Schweden
  • Schweiz
  • Quellensteuer
  • 30%
  • 7-15%
  • 15%
  • 0-15%
  • 0-21%
  • 0-28%
  • 5-20%
  • 15%
  • 15-27%
  • 19%
  • 20%
  • 21-30%
  • 25%
  • 27,5%
  • 30%
  • 30%
  • 35%
  • Anrechnung
  • 15%
  • 15%
  • 15%
  • 15%
  • 0%
  • 15%
  • 10%
  • 15%
  • 15%
  • 15%
  • 15%
  • 15%
  • 15%
  • 15%
  • 15%
  • 15%
  • 15%

Daten & Fristen zur Rückerstattung einzelner Länder:


USA

  • Quellensteuer: 30% (vorab auf 15% senkbar)
  • Kosten & Fristen für Rückerstattung: nicht bekannt / 1 Jahr

Kanada

  • Quellensteuer: 25% (vorab auf 15% senkbar)
  • Kosten & Fristen für Rückerstattung: 60€ / 2 Jahre
  • Wartezeit für Erstattung: bis zu 24 Monaten (bei einigen Banken/Brokern ist eine Erstattung nicht möglich)

Frankreich

  • Quellensteuer: 30% (mit Nachweis für EU-Bürger 21 Prozent und vorab auf 15% senkbar)
  • Kosten & Fristen für Rückerstattung: 60€ / 4 Jahre
  • Wartezeit für Erstattung: bis zu 24 Monate

Italien

  • Quellensteuer: 26% (vorab auf 15% senkbar)
  • Kosten & Fristen für Rückerstattung: 60€ (einmalig + jährlich 60 Euro) / 4 Jahre
  • Wartezeit für Erstattung: 48-120 Monate

Norwegen

  • Quellensteuer: 25% (vorab auf 15% senkbar)
  • Kosten & Fristen für Rückerstattung: kostenlos / 4 Jahre
  • Wartezeit für Erstattung: 3-12 Monate

Österreich

  • Quellensteuer: 27,5% (seit 01.01.2016 – vorab nicht senkbar)
  • Kosten & Fristen für Rückerstattung kostenlos / 5 Jahre
  • Wartezeit für Erstattung: 6-9 Monate

Portugal

  • Quellensteuer: 35% (vorab auf 15% senkbar)
  • Kosten & Fristen für Rückerstattung: 240€ / 2 Jahre
  • Wartezeit für Erstattung: bis zu 24 Monate

Schweden

  • Quellensteuer: 30% (vorab auf 15% senkbar)
  • Kosten & Fristen für Rückerstattung: kostenlos / 5 Jahre
  • Wartezeit für Erstattung: bis zu 6 Monate

Schweiz

  • Quellensteuer: 35% (vorab nicht senkbar)
  • Kosten & Fristen für Rückerstattung: kostenlos / 3 Jahre
  • Wartezeit auf Erstattung: bis zu 6 Monate

Spanien

  • Quellensteuer: 19,5% (vorab nicht senkbar)
  • Kosten & Fristen für Rückerstattung: 200€ (online kostenlos) / 4 Jahre
  • Wartezeit auf Erstattung: bis zu 36 Monate

Beispiel Quellensteuer und Rückerstattung:

Nachfolgende Beispiele sollen zeigen, wieviel Geld sich durch einen Antrag auf Rückerstattung zurückholen lässt:

Im Beispiel wird von einer Dividende in Höhe von 1.000 Euro ausgegangen, die bei einem ausländischen Investment gezahlt wird. Zur Vereinfachung werden Freibeträge, Verlustvorträge, Kirchensteuer etc. vernachlässigt.

Steuererstattung:

Bereits vor der ersten Dividendenzahlung eine Reduzierung der Quellensteuer zu beantragen, ist wohl der einfachste Weg. Auf diese Art wird nur 15% Quellensteuer in Abzug gebracht, welche deutsche Banken bzw. Broker automatisch auf die Abgeltungssteuer anrechnen. Dieses Vorgehen ist jedoch nicht für alle Länder möglich. Daher besteht alternativ die Möglichkeit, sich nachträglich die restliche Quellensteuer erstatten zu lassen. Das geht beispielsweise in Spanien, Norwegen, Österreich oder Schweden kostenlos und ohne weitere Hilfe von Verwahrstellen (wie z.B. Clearstream) oder Banken.

Allerdings muss der Anleger dazu selbst aktiv werden:

  • Adresse der ausländischen Steuerbehörde ermitteln
  • Vordruck herunterladen und ausfüllen
  • ggfs. Bestätigung über Wohnsitz beilegen
  • Nachweis der Kapitaleinkünfte beifügen

In anderen Ländern hingegen werden neben Bearbeitungsgebühren von Banken auch Gebühren von Verwahrstellen erhoben. Diese erreichen schnell Höhen, in denen es für Kleinanleger kaum Sinn macht, zu viel gezahlte Steuern zurückzufordern. Daher sollte im Vorfeld die Höhe der erhaltenen Gewinne bzw. Dividenden berücksichtigt werden. Denn übersteigen die Gebühren die erstattungsfähigen Steuern (beispielsweise kostet ein nötiger Tax-Voucher für die Schweiz bei einigen Banken bereits 20€ oder aber der Service der Abrechnungsstelle „Clearstream“ bei französischen Dividendeneinkünften 60€) macht es für Kleinanleger kaum Sinn, die Steuern zurückzufordern, wenn die Gebühren die erstattungsfähigen Beiträge überschreiten. Bei Anlagen im niedrigen oder mittleren 4-stelligen Bereich kann das schnell der Fall sein.

Besteuerung von Fonds:

Seit 2018 ist die Reform der Investmentbesteuerung in Kraft, welche das Ziel hat, die Besteuerung der verschiedenen Fondsarten (thesaurierend / ausschüttend) anzugleichen und die Besteuerung am Tag des Verkaufs zu vermeiden. Dadurch fällt die Anrechnung der Quellensteuer auf die Abgeltungssteuer bei im Ausland aufgelegten thesauriereneden Fonds weg.

So müssen Anleger seit 2018 nicht mehr die eigentlichen Dividenden und ausschüttungsgleichen Erträge bei einem Fonds versteuern, sondern stattdessen eine Pauschale, welche sich am sog. Basiszins und der Wertsteigerung des Fonds orientiert. Diese Pauschale ist die neue Bemessungsgrundlage.

Bei ausschüttenden Fonds wird die Dividendenzahlung auf die Pauschale angerechnet. Die nach der Pauschale anfallende Steuerlast wird direkt an den Fiskus abgeführt.

Bei thesaurierenden Fonds wiederum wird sie direkt vom Konto (Depot- / Verrechnungskonto) abgezogen. 

Zukünftig lässt sich jedoch der Freibetrag auf Kapitalerträge (801 / 1.602 Euro) anwenden. Wird dieser überschritten, sollte auf dem Verrechnungskonto ein ausrechender Betrag zur Verfügung stehen, um die anfallende Steuerlast zahlen zu können.

Die Anrechnung der Quellensteuer bei im Ausland aufgelegten, thesaurierenden Fonds fällt weg. Bereits berücksichtigte Pauschalen werden beim Verkauf des Fonds dann auf den Verkaufserlös angerechnet, was die Steuererklärung für Privatanleger vereinfachen wird.

*

Fazit:

Schnell wird deutlich, dass bei einer Investition im Ausland die Steuerbelastung höher ausfällt, wenn der Quellensteuersatz über 15% liegt. Jedoch ist das Geld nicht verschenkt. Allerdings bedeutet des einigen Aufwand – und auch Gebühren – um die zu viel gezahlte Steuer zurückerstattet zu bekommen.

zuletzt bearbeitet in 01/2019

3 Kommentare
  1. Robert Twiss
    Robert Twiss sagte:

    Österreichische Quellensteuer: 25%? Das war einmal.. Die Quellensteuer wurde hierzulande per 1.01.2016 auf 27,5% angehoben :-(

    • Elmar
      Elmar sagte:

      Hallo,

      Danke für den Hinweis – ich habe es im Beitrag korrigiert.
      Es ist natürlich bedauerlich, dass die Abgabe um 2,5% angehoben wurde… :-(
      Gab es dafür im Gegenzug eine positive Änderung? z.B. Höhere Freibeträge?

      Beste Grüße
      Elmar

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