verschiedene Anlageklassen und historische Renditen

Bevor es an den Aufbau eines Portfolios oder Depots geht, sollte man sich als Anleger einen Überblick über die in Frage kommenden Anlageklassen und die damit verbundenen Renditen, Risiken und die zugehörige Liquidität verschaffen. Nur so kann man die entsprechenden Anlageklassen einordnen und bewerten sowie eine bewusste Entscheidung bei der Geldanlage treffen.




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Eine einfache Bewertung gilt für alle Anlageklassen: Sicherheit, Rendite und Verfügbarkeit. Diese 3 Faktoren finden sich im magischen Dreieck der Geldanlage wieder und haben eine feste Beziehung miteinander.

Was ist Ihnen bei einer Geldanlage am wichtigsten?

Was ist ihnen bei der Geldanlage am wichtigsten?

Quelle: Gothaer.de

Was sind Anlageklassen?

Als Anlageklassen versteht man eine Gruppe von verschiedenen Finanzprodukten, welche je Gruppe ähnliche finanzwirtschaftliche Eigenschaften besitzen und sich daher ähnlich auf dem Markt verhalten.

1. klassische Bankprodukte / Barbestand

Auch wenn bei dieser Anlageklasse immer wieder von risikofrei Anlagen gesprochen wird,

sind sie das aber genau genommen nicht. Es handelt sich jedoch definitiv um die risikoärmste Anlageklasse.

Dazu zählen die wohl bekanntesten Produkte Sparbuch, Versicherungen und der Geldmarkt.

Sparbuch

Das Sparbuch als Klassiker ist zwar sehr sicher, lohnt sich auf Grund der niedrigen Zinsen allerdings nicht wirklich. Denn durch die Inflation wird das Geld stärker entwertet, als es Zinsen erwirtschaftet, um diesen Effekt auszugleichen. Letztendlich gibt es hier also sogar eine negative Rendite.

Versicherungen

Eine weitere Möglichkeit neben dem Sparbuch bieten unterschiedlichste (Kapital)-Lebensversicherungen – für viele der Klassiker unter den Altersvorsorgeprodukten. Bei bestehenden Verträgen, welche bereits vor einigen Jahren abgeschlossen wurden, können hier noch Garantiezinsen zur Auszahlung kommen, welche das aktuelle Tagesgeld bei weitem nicht mehr zu bieten hat.

Geldmarkt

Bei den Geldmarktprodukten handelt es sich um Anlageformen, welche äußerst liquide sind und zu den sichersten Anlagen gehören. Zu den Geldmarktanlagen gehören neben Geldmarktfonds Tagesgeld und Festgeld.

Tagesgeld

Tagesgeld bietet eine echte Alternative zum Sparbuch. Man erhält attraktivere Zinsen beim Tagesgeld als auf dem Sparbuch und hat ebenso täglichen Zugriff – also maximale Liquidität – auf das Guthaben.

Festgeld

Festgeld ist ähnlich zum Tagegeld, jedoch legt man hier bereits bei Anlage fest, für welchen Zeitraum das Guthaben angelegt wird. In dieser Zeit ist das Kapital nicht verfügbar und steht erst nach Ablauf der Laufzeit wieder zur Verfügung. Im Gegensatz zum Tagesgeld sind aber etwas höhere Zinsen beim Festgeld zu erwarten.

Die Anlageklasse „Cash“ ist zwar die Anlageklasse mit dem geringsten Risiko, allerdings ist hier auch die geringste Rendite zu erwarten. Je nach Produkt ist aber eine sehr hohe Liquidität gewährleistet. Die Barreserve sollte bei einer Bank nur bis zur Grenze der Einlagensicherung angelegt werden. Bei höheren Summen empfiehlt es sich, die Summe auf mehrere Geldinstitute aufzuteilen.

2. Wertpapiere

Das Gegenstück zum oben beschriebenen Geldmarkt ist der Kapitalmarkt. Hier findet der Handel mit Wertpapieren, wie z.B. Aktien, Anleihen, ETFs, statt.

Anleihen

Die bekanntesten Formen der Anleihen sind Staats- oder Unternehmensanleihen. Ein wichtiges Kriterium für den Kauf von Anleihen ist die Bonität des Schuldners. Je nach Bonität des Staates oder des Unternehmens vergeben Agenturen ein gewisses Rating für die betreffende Anleihe und klassifizieren damit die Kreditwürdigkeit. Bei Anleihen stellt man sein Kapital streng genommen gegen Zinsen zur Verfügung. Beim Kauf wird sowohl die Rückzahlung des Betrages, als auch ein definierter Zinssatz zugesichert. Anleihen sind also festverzinsliche Wertpapiere und der Anleger fungiert als Fremdkapitalgeber. Im Falle einer Insolvenz wird man also Eigenkapitalgebern (beispielsweise Aktionären) gegenüber vorrangig bedient. Jedoch erwirbt man dadurch auch – im Gegensatz zu einer Aktie – keine Unternehmensanteile.

Anleihen sind zum Beispiel als folgende Produkte erhältlich:

  • Staatsanleihen
  • Unternehmensanleihen
  • Pfandbriefe
  • Wandelanleihen

Zu den größten Risiken bei den Anleihen zählt neben der Währung, das Bonitätsrisiko des Emittenten und die entsprechende Laufzeit. Allerdings kommen kurzlaufende Staatsanleihen in Heimatwährung mit höchster Bonität (AAA) einem risikofreien Investment schon sehr nahe.

Aktien

Als Aktionär wird man Teilhaber an einer Aktiengesellschaft. Damit ist man an Unternehmensgewinnen in Form von Kurssteigerungen und ggfs. ausgezahlten Dividenden beteiligt. Man unterscheidet Stammaktien und Vorzugsaktien. Während man als Stammaktionär die vollen Gesellschafterrechte und damit auch das Recht zur Stimmabgabe auf der Hauptversammlung hat, berechtigen Vorzugsaktien zwar zur Teilnahme an der Hautversammlung, jedoch nicht zur Stimmabgabe. In der Regel wird dieses eingeschränkte Recht durch eine etwas höhere Dividende im Vergleich zu Stammaktien ausgeglichen. Langfristig sind Aktien die Anlageklasse, welche die höchste zu erwartende Redende verspricht. Allerdings kommt hier das Kursrisiko voll zum tragen und man haftet in Höhe seiner Einlage im Fall einer Insolvenz. Das heißt, dass hier ein Kursverlust bis hin zum Totalausfall drohen kann.

Verschiedene Aktientypen sind:

  • Blue-Chips / Large Caps (Aktien von Standardwerten)
  • Small Caps (Nebenwerte)
  • Aktien aus Schwellenländern
  • Value / Growth Aktien

Fonds

Fonds sind eine Sammlung von Aktien – also ein eigenes Depot voller Wertpapiere. So kann man einen Fonds recht einfach beschreiben. Eine Fondsgesellschaft sammelt Anlegergelder ein und investiert dieses Kapital dann in unterschiedliche Anlageprodukte / Branchen / Regionen. Das kann z.B. ein Aktienfonds sein, welcher weltweit oder nur in Pharmaunternehmen investiert. Üblicherweise wird ein Fonds von einem Manager aktiv gesteuert, um sich der jeweiligen Marktlage anzupassen und Cash-Anteile oder das Verhältnis von Aktien und Anleihen im Fonds zu gewichten. Allerdings fallen dafür Verwaltungsgebühren, Ausgabeaufschläge oder Performance Fees bei Erreichung gewisser Benchmarks an.

ETF

ETF´s (Exchange Tratet Fund´s) sind die günstige Alternative zum klassischen Fond. Ein ETF ist im eigentlichen Sinne auch Fonds, allerdings werden ETS´s nicht aktiv gemanagt und bilden ganze Indizes passiv ab. Somit entfällt hier das Management, was geringere Kosten zur Folge hat.

3. Immobilien

Zu den beliebtesten Anlagen der Deutschen zählen wohl zweifelsohne die Immobilien. Hier geht es meist um den Kauf des Eigenheims. Allerdings sind auch Anlagen in reine Anlage- bzw. Gewerbeobjekte (Mehrfamilienhäuser / Büroräume) zur Vermietung und Verpachtung möglich. Ganz gleich, ob das Investment zur Selbstnutzung, Vermietung oder Verpachtung dient – es kommt bei einem direkten Erwerb einer Immobilie häufig zu einer Klumpenbildung im Portfolio, da der absolute Preis einer Immobilie im Verhältnis zum vorhandenen Vermögen meist recht hoch ist und mittels Fremdkapital bezahlt wird. So kann es schnell vorkommen, dass durch einen Immobilienkauf der Anteil der Immobilie plötzlich einen Großteil am Portfolio ausmacht und damit eine gewisse Unausgewogenheit besteht.

direkter Erwerb

Beim direkten Erwerb spricht man von physischen Kauf einer Immobile, um das Objekt zu bewohnen, zu vermieten bzw. um bei einem Weiterverkauf von einer Wertsteigerung zu profitieren. Mögliche Investments sind beispielsweise:

  • Wohnimmobilien
  • Grundstücke
  • •Gewerbeimmobilien
  • Garagen
  • Lagerflächen / -räume

Immobilienaktien / -fonds / ETF / REIT

Eine Alternative zum direkten Erwerb einer Immobilie kann das Investment in Wertpapiere sein. Hier erwirbt man als Investor Anteile an Unternehmen, welche beispielsweise Immobilien verwalten, bauen oder im weitesten Sinne betreiben und / oder vermieten.

Eine besondere Stellung nehmen hier die REIT´s (Real-Estate-Investment-Trust´s) ein, welche Kapitalgesellschaften sind, die ihre Gewinne aus Vermietung, dem Handel oder Verpachtung von Grundstücken oder Immobilien erzielen. REIT´s können von bestimmten Geschäftstätigkeiten (Wohnimmobilien) ausgeschlossen sein, haben eine besondere Steuerbefreiung und eine hohe Ausschüttungsquote. Besonders letzteres macht REITS gerade für Dividendeninvestoren attraktiv.

4. Rohstoffe

Im Regelfall sind direkte Anlagen in Rohstoffe nur schwierig zu realisieren. Ausnahmen bilden wohl ehr die Edelmetalle. Bei allen weiteren Investments dürfte früher oder später die Frage nach der Lagerhaltung aufkommen. Umstritten ist, ob die Beimischung von Rohstoffen im Portfolio Sinn macht, denn Rohstoffe als solches werfen keine Erträge ab. Allerdings bieten sie den Vorteil, dass sie wohl nie wirklich wertlos werden und unabhängig von Aktien- oder Währungscrashs sind. Daher nutzen viele Anleger Investments in Gold oder Silber zur Absicherung gegen Krisen.

Rohstoffe können beispielsweise sein:

  • Gold, Silber, Palladium
  • Erdöl, Erdgas
  • Kohle
  • Kaffee
  • Holz

5. Humankapital

Eine nicht zu unterschätzende Anlageklasse ist das Humankapital. Oft wird dies nicht als eigene Anlageklasse wahrgenommen oder berücksichtigt, jedoch ist es wohl für die meisten von uns (bis zum Ende des Berufslebens) der wichtigste Bestandteil des Vermögens. Durch eine weitere Beschäftigung oder ein zweites nebenberufliches Standbein lässt sich die Sicherheit der Zahlungen beeinflussen. Die Höhe des Gehalts kann durch Aus- oder Weiterbildung verändert werden.

6. seltene Gegenstände / Kunst / Sammlerstücke

Ist ein besonderes Know-how in dieser Anlageklasse vorhanden oder sind bereits erste „Schätze“ im Besitz, kann auch diese Anlageklasse ein passendes Investment sein. Jedoch ist der Markt hier meist sehr klein und das Objekt der Begierde somit nicht spontan veräußerbar. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann es zu einer großen Herausforderung werden, die eignen Schätze zu einem angemessenen Preis zu verkaufen. Klassische Sammlerstücke sind beispielsweise

historische Rendite einzelner Anlageklassen im Vergleich

Um die einzelnen Anlageklassen etwas besser bewerten zu können, soll ein Rückblick auf die Performance der vergangenen Jahre etwas Aufschluss geben. Aber natürlich lässt sich anhand der historischen Wertentwicklung nicht auf die Versteigerung der kommenden Jahre schließen.

Vielmehr möchte ich auf die Renditen und Korrelationen der größten Anlageklassen eingehen. Denn so wird schnell deutlich, wie sehr einzelne Anlageklassen schwanken bzw. sich gegenüber anderen entwickeln.

Beispiel MSCI World: von -43% im Jahr 2008 bis zu +30% im Jahr 2009 hatte der weltweite Aktien-Index alles zu bieten. In den gleichen Jahren sind auch andere Anlageklassen im Zuge der Finanzkrise mächtig unter die Räder gekommen. Einzig Staatsanleihen konnten hier mit etwa 10% eine ordentliche Rendite erwirtschaften.

Es ist kaum möglich, alle Szenarien einer Depotzusammenstellung durchzuspielen, aber eine Betrachtung der Rendite der einzelnen Anlageklassen der letzteren Jahre möchte ich gern anstellen:

Renditen verschiedener Anlageklassen 2007-2017

Um die dargestellten Werte etwas deutlicher zu veranschaulichen, sei darauf hingewiesen,  dass bei den Immobilienpreisen eine Entwicklung der Preise für Neubau-Wohnungen die Basis bildet und Rohöl als klassischer Rohstoff einen Platz in der Übersicht finden sollte. Ganz gleich, ob diese beiden Anlageklassen nun zu den Favoriten eines jeden Einzelnen gehören oder nicht. Gleiches gilt wohl für Edelmetalle oder bei anderen wiederum Tagesgeld.

Die Renditen von Sammlerobjekten wie beispielsweise Uhren oder Oldtimern habe ich bereits in den Beiträgen zum Thema „Uhren als Geldanlage“ und „Oldtimer als Geldanlage“ angerissen. Selbiges und alternative Investmentmöglichkeiten wurden im Beitrag „Spirituosen als Geldanlage“ betrachtet.

Renditenmatrix einzelner Anlageklassen von 2007 – 2017

In einer üblichen Rendite-Matrix zur historischen Rendite verschiedener Anlageklassen stellen sich die einzelnen Werte entsprechend der folgenden Renditenmatrix dar:

Renditematrix verschiedener Anlageklassen 2007-2017

Hier lässt sich gut erkennen, wie beispielsweise Gold während und auch nach der Krise bis zum Jahr 2011 kräftig zulegen konnte und somit als „sicherer Hafen“ fungierte, während die Entwicklung des Goldpreises in den Jahren danach bis einschließlich 2015 deutlich nachgegeben hat, während die stark unter die Räder geratenen Aktienmärkte wieder Boden gutmachen konnten.

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Was wurde aus 1.000 Euro, die Ende 2006 investiert wurden?

Am besten lässt sich der Zeitraum der letzten Jahre wohl beurteilen, wenn man im Beispiel von einem Investment Ende 2006 ausgeht und eine Bilanz zum Ende des Jahres 2017 zieht.

Was wurde aus 1000 Euro, die 2006 in unterschiedliche Anlageklassen investiert wurden?

Wie im oberen Teil des Artikels bereits ausgeführt, kommt es bei einem Direkt-Investment in Immobilien üblicherweise zu einer Klumpenbildung im Portfolio. Die folgenden Werte sollen somit ehr theoretischer Natur sind, um das Verhältnis der Rendite der Anlageklassen einfach anschaulicher zu gestalten. Denn eine direkte Anlage von 1.000 Euro in eine Immobilie ist wohl (bis vielleicht auf den Kauf einer günstigen Garage zur Vermietung) ehr eine Ausnahme.

Während sich der DAX und Dow Jones nahezu verdoppelt haben, verzeichnet der MSCI World einen Zuwachs von mehr als 40%, der EuroStoxx50 hingegen sogar mit 14% im Minus landet. Hier war der Einbruch von mehr als 45% im Jahr 2008 einfach zu viel des Guten und konnte auch durch die folgenden Jahre nicht wieder ausreichend kompensiert werden. Hinzu kam beim EuroStoxx50 ein weiterer herber Kursverlust in 2011, welcher die investierten 1.000 Euro auf einen neuen Tiefstand brachten.

Ein -für mich- erstaunliches Bild zeichnet sich bei den Anleihen ab: mit 50 bzw. 51% wurden auch hier satte Gewinne erzielt und bis auf die Jahre 2013 und 2017 auch jedes Jahr mit positiver Rendite abgeschlossen. Im betrachteten Zeitraum haben Anlagen perfekt „funktioniert“ und gute Stabilität im Depot garantiert. Das hatte ich so nicht vor Augen und war mir dieser enorm guten Wertentwicklung nicht bewusst.

Obwohl Gold zwischenzeitlich einen herben Dämpfer einstecken musste und 2013 fast ein Drittel seines Wertes verloren hat, reicht es trotzdem zu einer Rendite von 103%. Nicht ganz so gut lief es für Silber, da hier nach einem rasanten Kursanstieg (fast 75% in 2010) zu herben Verlustjahren in Folge kam. Dennoch zahlt sich ein langer Atem auch hier aus und würde dem Anleger einen Gewinn von 30% bescheren.

Fazit:

Natürlich stellt  die historische Entwicklung einer Anlageklasse kein Garant für die zukünftige Performance dar. Allerdings kann es durchaus hilfreich sein, bei der Zusammensetzung des Portfolios die Diversifikation und auch die Renditen der verschiedenen Anlageklassen im Auge zu behalten und so für eine sinnvolle Streuung der Anlagen und auch Risiken Sorge zu tragen. Denn jeder Anleger muss nach seiner Risikoneigung, der Anlagedauer und der erwarteten Rendite für sich selbst entscheiden, welche Anlageklasse die passende ist.

Die ersten Schritte sollten jedoch immer der Schuldenabbau, das Ansparen eines Notgroschens und die Absicherung elementarer Risiken sein. Als Einstieg in die Geldanlage eignen sich dann beispielsweise Tagesgeld, Festgeld, ETF´s und Anleihen oder Edelmetalle zur Stabilisierung des Portfolios.

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