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Sparen beim Autokauf – muss es ein Neuwagen sein?

Gestern war ich beim Arzt, saß im Wartezimmer und hatte noch etwas Zeit bis zu meinem Termin. Also die Zeit nutzen und noch etwas lesen. Meine Wahl fiel auf eine Auto-Zeitschrift, welche titelte „Neuwagen bis 20.000 Euro“ in unterschiedlichen Klassen. Prinzipiell mag ich Autos schon, bin aber trotzdem mit meinem 11 Jahre alten Kombi sehr zufrieden und würde kaum auf die Idee kommen mir für mehrere 10.000 Euro einen Neuwagen oder ein gebrauchtes – aber dennoch teures (für mich wäre es nur ein) Status-Symbol zu kaufen.

Was ich dort gelesen habe, hat mich wirklich überrascht. Es ging wie erwähnt um Neuwagen in verschiedenen Klassen bis zu 20.000€. Also relativ günstige Neuwagen, aber dennoch eine Menge Geld für ein Auto. Aber für das liebste Kind der Deutschen ist kein Euro zu viel…

® Harald Landsrath – pixabay.com

In dem einleitenden Bericht wurde die rhetorische Frage gestellt, wer denn alles die nagelneuen E-Klassen Audis und BMWs fährt, welche regelmäßig die Zulassungsstatistiken der Oberklasse anführen, um die Frage dann damit zu beantworten, dass es sich um Selbstständige bzw. Firmen handelt und es somit Geschäftswagen sind. Nur ein Drittel aller Neuwagen würde von Privatkunden gekauft. So weit – so gut. Aber diese Privatkunden geben (nach einer Umfrage der DAT) im Schnitt 30.000 Euro für ein neues Auto aus. Dies sind sogar noch 1.000 Euro mehr, als noch im Jahr zuvor!

Ich habe mir die Daten nicht vollständig gemerkt – aber die individuelle Konfiguration war den Käufern (knapp 50%) sehr wichtig, und fast 20% aller privaten Neuwagen sind Leasing-Fahrzeuge. Leider fanden sich keine Informationen zu Barkäufen oder Finanzierungen – bis auf das Leasing…

Es ist für mich unverständlich, wie man 30.000 Euro für ein Auto ausgeben kann. Für einen Neuwagen, dessen Wert bereits beim ersten Verlassen des Autohauses um 20% oder mehr fällt.

Diese 30.000 Euro müssen im Vorfeld ja entweder erspart werden bzw. im Nachhinein finanziert werden. Für ein Auto!?! Würde man ein Auto für nur 10.000 Euro kaufen, wobei auch das in meinen Augen noch zu viel ist, hätte man 20.000 Euro, welche man anlegen könnte. Bei „nur“ 3% Dividenden ergeben sich daraus Ausschüttungen in Höhe von 600€ im Jahr. Jahr für Jahr. Plus mögliche Kurszuwächse…

Bodo Schäfer hat in dem Buch „Der Weg zur finanziellen Freiheit – In 7 Jahren die erste Million“ davon gesprochen, dass ein Auto nicht mehr als 2 durchschnittliche Monatsgehälter kosten darf. Ob Brutto oder Netto sei in diesem Fall egal. Bei knapp unter 40.000 Euro Durchschnittsverdienst pro Jahr macht das ca. 6.650 Euro brutto bzw. 4.250 Euro netto bei 2 Gehältern. Wieviel Auto man für 4.250 Euro bekommt, ist auch fraglich… Aber dass einige (im Durchschnitt) fast 15 Netto-Monatsgehälter nur für ein Auto ausgeben, verschlägt mir fast die Sprache. Sicherlich ist das etwas engstirnig betrachtet, aber ob die Summe nun als Einmalzahlung fällig wird, oder in 60 bequemen Raten an die Bank überwiesen wird, ist letztendlich auch egal. Wenn man hier die Zinsen mal außer acht lässt, was derzeit ja kein Problem darstellt. 🙂

Mein teuerstes Auto hat mal knapp 14.000 Euro gekostet. Das waren seiner Zeit knapp 7 Monatsgehälter. Glücklicherweise ist das schon eine Weile her und ich habe das Auto nach relativ kurzer Zeit wieder verkauft und gegen ein günstigeres getauscht. Rückblickend ist es für mich absolut unverständlich, wie ich vor einigen Jahren so viel Geld dafür ausgeben konnte. Hätte ich nur die Hälfte davon ausgegeben und den Rest sinnvoll angelegt. Aber so weit war ich da wohl nich nicht…

Aber letztendlich muss jeder für sich entscheiden, welchen Weg er gehen möchte und wie er sein Geld ausgibt oder doch lieber anlegt… Ich für mich kann nur sagen, dass ich meinen Weg gefunden habe und kein Auto mehr für mehrere zehntausend Euro brauche. Was haben eure Autos gekostet bzw. wieviel Geld gebt ihr für ein neues (oder altes) Auto aus?

8 Kommentare
  1. Martin B.
    Martin B. says:

    Natürlich verliert ein Neuwagen deutlich an Wert wenn er zum Gebrauchten wird. Was aber bei der Argumentation gerne „übersehen“ wird ist die logische Frage: Warum?

    Wenn man den Leuten mal eine gewisse Vernunft unterstellt, dann müssen doch sowohl der Verkäufer einen Grund haben warum er diesen Abschlag akzeptiert als auch der Käufer warum er nicht mehr bereit ist zu zahlen.

    Spontan fallen mir da einige Gründe ein:
    – Man kauft die „Katze im Sack“ – man kennt einfach die Vorgeschichte nicht. (Und der Verkäufer kann viel erzählen.)
    – Garantie ist vorbei oder nur noch weniger übrig. Reparaturkosten sind also bereits/bald selbst zu tragen.
    – Der Zeit der Reparaturen wegen Verschleiß oder altersbedingter Defekte ist man auch bereits näher.
    – Wurde bereits der Grundstein für Ausfälle gelegt? (Immer gleich bei kaltem Motor Vollgas, innige Bekanntschaft zwischen Reifen und Bordstein, …)
    – Wird vielleicht verkauft weil die Karre dauernd Ärger macht und der Vorbesitzer einfach die Schnauze voll hat?
    – Oder wird man gar betrogen? (Tachostand manipuliert, verschwiegene Unfälle mangelhaft repariert)

    Ja, man kann mit gebrauchten durchaus Glück haben und ein Prachtstück erwischen. Ebenso kann man aber auch ein Exemplar erwischen bei dem man letztendlich deutlich drauf zahlen wird. Denke da kann einem auch ein Fachmann keine wirkliche Garantie geben.
    Natürlich kann man auch bei Neuwagen Glück/Pech haben, aber da sind es dann doch wenigstens ein paar Unbekannte weniger…

    • Elmar
      Elmar says:

      Hallo Martin,

      ich glaube das ist bei vielen der Punkt: man weiß nicht um die Vorgeschichte und hat Sorge, die Katze im Sack zu kaufen. Erst Recht, wenn man von Autos keine Ahnung hat.. Und selbst eine Werkstatt oder ein Gutachter kann den zwar den technischen Zustand beurteilen, aber trotzdem nicht über die zurückliegende Nutzung Auskunft geben.

  2. Alexander
    Alexander says:

    Hm, irgendwie komme ich nicht ganz klar damit, dass ein Neuwagen „schlecht“ sei.
    Ich finanziere alle 4 Jahre ein neues Auto. Das jetzige hat einen Neupreis von 25.000 € und ich habe die volle Summe finanziert. Ich habe keine Anzahlung und keine Schlusszahlung. Weiterhin einen garantierten Rückkaufswert von 15.000 €. Mit einer zusätzlichen Versicherung zahle ich im Monat 250 €, letztlich ist das wie eine Miete zu sehen.

    In den vier Jahren habe ich keine weiteren Kosten (außer Öl und TÜV). Ich brauche keinen Kundendienst, keine Reparatur, nichts.
    Früher fuhr ich ebenfalls alte Autos. Es fielen dann immer wieder Reparaturen an, die schnell mal mehrere hundert Euro kosteten. Ich brauchte neue Reifen, Scheibenwischerblätter, Lamdasonde vom Kat, Bremsbeläge, Kühler etc.

    Angenommen, man kauft ein altes Auto für 6.000 € (vergleichbarer Mittelklassewagen). Nun sind das Gedankenspiele, wie lange der noch hält.
    Bei 4 Jahren hat das Auto 1.500 € im Jahr gekostet und bei 6 Jahren 1.000 €/Jahr. Bei so alten Autos fallen durchaus nochmals 3.000 – 4000 € Reparaturen, Kundendienste, Ersatzteile an. Das wird gern unterschätzt. 500 € pro Jahr sollten aber problemlos zu rechnen sein. Damit kostet das alte Auto vermutlich 1.500 € bis 2.000 € im Jahr. Oft brauchen die alten Autos mehr Sprit und Öl. Sollten das bei 100 km nur 1 Liter Sprit sein, dann hat man bei einer Laufleistung von 10.000 km 100 Liter mehr Verbrauch (= 150 €). Damit liegen die Kosten zwischen 1.650 € und 2.150 € im Jahr. Ich zahle dagegen 3.000 €, also zwischen 950 € und 1.350 € mehr.

    Jetzt kommt das große ABER. Die 6.000 € für den Gebrauchten habe ich angelegt und die Unterhaltsmehrkosten von 500 € + Sprit 150 € ebenfalls. Sind insgesamt 8.600 €. Bei ca. 5 % netto, bringen die immerhin 430 € im Jahr. Damit liegt der Vorteil vom alten Auto bei nur noch 520 € bis 920 € im Jahr. Fährt man mehr Kilometer, schrumpft der Unterschied noch mehr.

    Letztlich muss jeder selber entscheiden, ob ihm ein Neuwagen für 40 € bis 80 € im Monat Mehrkosten lieber ist, als eine alte Schüssel. Ich wähle den bequemeren Weg mit Mobilitätsgarantie, kostenlosen Ersatzwagen bei Reparaturen (die eh auf Garantie laufen), Abschleppservice etc.

    Leider habe ich noch keinen Bericht gefunden, der alle Kosten bei gebrauchten Autos berücksichtigt. Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, ein Neuwagen muss nicht unbedingt exorbitant teurer sein.

    • Elmar
      Elmar says:

      Hallo Alexander,

      bei Deiner Rechnung unterstellt du aber, dass das Geld für das gebrauchte Auto vorhanden ist und nicht finanziert wird. Wenn es zu einer Finanzierung käme, weil kein EK vorhanden ist, gäbe es auch nichts anzulegen…

      Trotz alledem ist deine Rechnung durchaus interessant! Wenn du mir die Frage gestattest: Welche Marke fährst Du derzeit bzw. wer bietet diese Form der Finanzierung mit garantiertem Rückkaufwert an? Damit ist in der Betrachtung eine großer Punkt bzgl. Unsicherheiten nach Ablauf der Finanzierung ja erschlagen… Also letztlich gar nicht mal so schlecht… 🙂

  3. wirtschaftswaise
    wirtschaftswaise says:

    @ Ex-Studentin
    Unser damaliger Neuwagen (Citroen C3) war ein Montagsfabrikat. ZUM GLÜCK hatten wir uns vom Verkäufer die Garantieverlängerung andrehen lassen. An der haben die nix verdient 😉 In den ersten ca. 5 Jahren wurde auf Garantiebasis praktisch der ganze Antriebsstrang (inkl.Getriebe) ausgetauscht.
    Bei Autos sehe ich es mittlerweile ähnlich wie bei Immobilien: lieber was gebrauchtes, das schon eine paar Jahre seine Funiktionstüchtigkeit bewiesen hat…

  4. Ex-Studentin
    Ex-Studentin says:

    Ich bin Neuwägen gegenüber nicht unbedingt abgeneigt. Habe aktuell kein Auto, habe den Ärger mit gebrauchten aber miterlebt. Ich möchte kein Dauerbesucher in der Werkstatt werden. Bis 15k würde ich wohl ausgeben, würde aber parallel auch nach guten gebrauchten Autos schauen.

  5. wirtschaftswaise
    wirtschaftswaise says:

    Im „Freakshow“-Podcast habe ich vor einiger Zeit gehört, dass das Konfigurieren von Autos ein typisch deutsches und in dem Maße, wie es hier bei uns angeboten und genutzt wird, fast weltweit einzigartiges Phänomen ist. Die Autohersteller haben damit ihre liebe Mühe. In den USA soll es demnach viel mehr üblich sein, zum Autohändler zu fahren und den Hof gleich mit dem gefundenen Fahrzeug zu verlassen.

    Auch wir haben (vor ca. 15 Jahren) mal einen Neuwagen gekauft (ca. 14.000 €). Würde ich heute nie wieder tun. Auch „Dicke Autos“ beeindrucken mich schon lange nicht mehr. Ich halte jeden Neuwagen und jeden Luxuswagen für eine Fehlallokation von Geld.

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