Ein Oldtimer als Geldanlage – Anlageobjekt oder Liebhaberei?

Besonders in Zeiten niedriger Zinsen gelten Anlagewerte als sichere Bank. Aber nicht nur Immobilien oder Aktien sind eine Option. Anleger suchen zunehmend Alternativen. Neben Edelmetallen, Kunst oder Uhren finden alte Autos immer mehr Fans. Jedoch gibt es die Faszination für Oldtimer nicht erst seit gestern. Im derzeitigen Marktumfeld eine lohnende Investition zu tätigen wird zunehmen schwieriger aber nicht unmöglich.

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Die Begeisterung für alte Autos sollte in jedem Fall im Vordergrund stehen, die Rendite wird dann zum angenehmen Nebeneffekt.

Daher sind es für die meisten die emotionalen Details: Erinnerungen an die Jugend, glänzendes Chrom, nostalgisches kleckern des Blinkers, der Geruch von Benzin, Karosserieformen vergangener Tage oder edle Stoffe im Innenraum. Hinzu kommt – ganz pragmatisch – die Wertentwicklung der Autos, welche bereits mit einem „H-Kennzeichen“ unterwegs sind. Diese lag in den vergangenen Jahren nämlich im Schnitt bei 5 bis 6 Prozent. Das entspricht ziemlich dem Oldtimer-Index des Verbands der Automobilindustrie (VDA), welcher seit Erhebung im Jahr 1999 jährlich durchschnittlich 5,6% gestiegen ist. Allerdings ist der Markt in letzter Zeit etwas zurückgekommen.

Zusatzkosten:

Letztendlich ist die Wertsteigerung aber auch von Wartung, Pflege und Unterbringung abhängig. Und diese Kosten schlagen unter Umständen deutlich stärker zu Buche, als bei einem vergleichsweise neuen Auto. In Fachkreisen spricht man von 100 bis 150€ im Monat für den Unterhalt eines Youngtimers bzw. Oldtimers aus der Mittelklasse. Sportwagen können deutlich mehr kosten. Denn je nach Nutzung und fälliger Wartung sind hier schnell 4-stellige Beträge in der Werkstatt fällig.

Denn nicht nur die Unterbringung stellt viele bereits vor ein Problem. Den Oldtimer auf der Straße abstellen ist wohl kaum eine Option. Also muss ein Garage, oder bei mehreren Fahrzeugen sogar eine Halle, her. Die Art der Unterstellmöglichkeit hat außerdem einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die Versicherung. Bei eineigen Gesellschaften muss ein Garagenplatz nachgewiesen werden, um überhaupt an eine kostengünstige Oldtimer-Versicherungs zu kommen. Je nach Regio oder Stadt sind allein für die Unterbringung schnell die ersten 1.000 Euro im Jahr ausgegeben. Hinzu kommen Kosten für Ölwechsel oder den Austausch poröser Gummiteile – auch, oder gerade wenn, das Fahrzeug nicht bewegt wird. Die wohl bedeutendsten Nebenkosten sind:

  • Unterstellung
  • Versicherung
  • Steuern
  • Instandhaltung
  • evtl. ein Service vor / nach der „Winterpause“

Ein großer Vorteil bei der Suche nach einem geeigneten Fahrzeug und dem damit verbundenen Preisvergleich sind die großen Online-Portale. Dadurch zeichnet sich eine gewisse Transparenz ab, was aber unweigerlich dazu führt, dass man hier kaum noch wahre Schnäppchen finden kann. Sollte der Preis dennoch Zweifel hervorrufen, bietet sich der Rat eines Experten an. So lassen sich für den Laien nicht erkennbare Mängel leichter identifizieren und kostspielige Folgeinvestitionen reduzieren. Ebenfalls hilfreiche Tipps kann man vor dem Kauf bei Clubs der entsprechenden Marke erhalten.

Aber ist der Oldtimer wirklich die optimale Geldanlage?

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Der Oldtimer Index vom VDA bietet einen guten Überblick. Betrachtet man die Top 3 Fahrzeuge, gemessen an der Wertentwicklung von 1999 bis 2014 sieht das Ergebnis etwas überraschend aus:

1.Platz – der Mercedes Flügeltürer 300 SL Coupe (1954 – 1957)

2.Platz – der Citroën 2CV6 (1969 – 1976) und auf dem

3.Platz – der VW-Bus Typ2 (1967 bis 1972)

Nicht jeder hätte wohl den Citroën 2CV auf dem 2. Platz vermutet…

Daher ist es nicht damit getan, einfach ein paar Tausend Euro in die Hand nehmen, ein Auto kaufen, im Besten Falle regelmäßig selbst fahren und einfach zusehen, wie das gute Stücke jedes Jahr im Wert steigt.

Obwohl das die ideale Vorstellung von der Geldanlage bei einem Youngtimer oder Oldtimer ist…

Die Realität sieht jedoch etwas anders aus. Es ist unbestritten, dass vereinzelte Exemplare in den vergangenen Jahren enorme Wertzuwächse zu verzeichnen hatten. Allerdings geht es aber um „vereinzelte“ Exemplare. Man wird in diesem Fall nie sicher sein können, dass sich steigende Preise für konkrete Modelle immer weiter fortsetzen. Selbst bei einem Mercedes 300 SL gibt es zeitweise Preisrückgänge.

Wertentwicklung einiger Youngtimer und Oldtimer:

Bei Summen, welche Üblicherweise investiert werden, ist die Preisentwicklung jedoch nicht ganz unerheblich. Denn im Allgemeinen liegen die üblichen Preise für den Kauf einen Young- oder Oldtimers bei bis zu 50.000 Euro. Dafür bekommt man eine Pagode mit Zustand Note „2“ oder auch einen Fiat Dino Spider, aus den Baujahren 1966 bis 1972, welcher mit seinem Ferrari Motor, seinen Preis in den letzten 10 Jahren auf nun deutlich über 40.000 Euro mehr als verdoppelt hat. Dem entgegen gibt es allerdings auch Modelle, welche sich trotz einer gewissen Seltenheit preislich kaum bewegen. Beispielsweise wären hier der BMW Z1, ein Opel GT, der Fiat 124 Spider oder ein NSU RO80 zu nennen. Denn berücksichtigt man bei aller Wertstabilität die Inflation ist das Investment alles andere als lukrativ…

Nachfolgend ein paar Beispiele:

Citroen 2CV 6:

Der Studentenklassiker hat in der Zeit von 1995 bis 2010 einen Wertzuwachs von 300% zu verzeichnen. Und das trotz mehr als 3,8 Millionen gefertigten Exemplaren und langer Bauzeit (von 1948 bis 1990).

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Jaguar E-Type 3.8 S1:

Der Wertzuwachs bei diesem Sportwagen betrug von 1995 – 2010 knapp 80%. Eine Durststrecke mit Preisabschlägen von bis zu 5% jährlich hast der Type von 1995 bis 2000 zu verzeichnen. Danach ging es steil bergauf.

BMW Isetta 250:

Über 135.000 Mal gebaut, wurde das Mini-Mobil gebaut und hat sich inzwischen zum echten Liebhaberstück entwickelt. Während Mitte der 90er Jahre Exemplare in gutem Zustand für 5.000 Euro zu haben waren, ist heute ein Vielfaches des Preises fällig. Wenn die Isetta im Originalzustand ist.

Porsche 911 S 2.4 Coupé:

Ein absoluter Dauerbrenner bei Youngtimern und Oldtimern zugleich: Die Sportwagen aus Zuffenhausen. Besonders die Preise für frühe 11er entwickeln kontinuierlich gen Norden. Die Zeiten in denen man einen Coupé  aus den Jahren 1971-1973 für 25.000 Euro bekommen hat, sind längst vorbei. Anlage sollten das Doppelte bereithalten. Ein enormer Vorteil bei Porsche ist, dass das Angebot groß ist, es ein gutes Werkstatt-Netz gibt und die Ersatzteilversorgung gesichert ist.

Mercedes 280 SL:

Ebenso kontinuierlich legt der Wert der Pagode als Klassiker zu. Während man zur Jahrtausendwende noch gute Modelle für unter 40.000 Euro bekam, sind heute für ein entsprechendes Modell schnell 60.000 Euro und mehr fällig.

VW 1303 Cabrio:

Der Käfer ist ein Beispiel für Wertstabilität. Rendite sieht anders aus: Wertzuwachs in den letzten 20 Jahren – knapp 30%. Dafür punktet er mit geringen Wartungs- und Reparaturkosten und machen den Käfer damit zu einem empfehlenswerten Oldtimer für Einsteiger.

VW-Porsche 914/6:

Noch zum Ende der 80er als Volks-Porsche verspottet, mausert sich der Mittelmotor-Sportwagen zu einem gefragten Exemplar. Eine Wertsteigerung von mehr als 100% in den vergangenen 2 Dekaden ist nicht zu verachten. Besonders gefragt sind die Modell mit dem 110 PS starken Sechszylinder-Boxer Motor.

Rolls-Royce Silver Shadow

Ein Negativbeispiel: Der von 1977 bis 1980 gebaute Rolls-Royce Silver Shadow wurde vor knapp 10 Jahren durch Classic Data noch mit 35.000 Euro bewertet – heute sind es gerade einmal noch 27.000 Euro. Vermutet wird hier ehr ein Imageproblem und der zusätzliche schlechte Alltags-Nutzen.

Andere Beispiele für aussichtsreiche Youngtimer sind beispielsweise der Audi Ur-Quattro, ein Mercedes W 124 Cabriolet, BMW der Reihen E21 oder E30, späte Exemplare des Porsche Carrera 3.2 oder auch VW Golf I GTI. Natürlich alles möglichst im Originalzustand…

Worauf ist besonders zu achten?

Ein absolutes Muss bei allen Autos sollte ein komplettes Serviceheft und eine möglichst gute Ausstattung (in bestmöglichen Zustand) sein. Wenn man ein passendes Fahrzeug gefunden hat, sollte man diese Sachen unbedingt beachten: der Zustand des Fahrzeugs und die entsprechende, belegbare Historie.

Hat man dazu einen Experten zur Seite kann das nicht schaden. So lassen sich möglicherweise „Schönheitsreparaturen“ entdecken, die weit mehr als das sind… Generell sollte man wissen, dass der Zustand von Oldtimern mit Noten von 1 – 5 bewertet wird. Eine Note 2 bedeutet, dass es sich um ein gepflegtes Fahrzeug mit leichten Gebrauchsspuren handelt. Eine schlechtere Kategorie ist im Normalfall nicht zu empfehlen – außer man ist auf der Suche nach einem Restaurationsobjekt. Zur Historie gehören neben Anzahl der Vorbesitzer auch etwaige Unterlagen für Werkstattbesuche oder gar die originalen Kaufbelege und Prospekte.

Muss es unbedingt ein Oldtimer sein?

® Harald Landsrath – pixabay.com

Bei einem klassischen Porsche, Ferrari oder Mercedes ist der Wertzuwachs wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Doch auch Klassiker zu erschwinglichen Preisen können eine gute Geldanlage darstellen. Die Preise für Opel Rekord, Askona oder Kapitän steigen seit einiger Zeit beschaulich, aber kontinuierlich. Ebenso werden BMW 8er immer gefragter. Aber auch neuere Modelle bieten aussieht auf Rendite:

Mercedes SL: Gut erhaltene Modell der Baureihe R107 haben bereits eine gute Preisentwicklung hinter sich. Die Baureihe R129 hat hier noch Nachholbedarf. Allerdings ist diese Baureihe noch lange kein Youngtimer…

BMW 6er: Hier ist die Baureihe E24 aus dem Jahren 1976 bis 1989 interessant. Allerdings hatten Modelle der ersten Jahre (bis zur Modellpflege 1982) mit Rost und technischen Problemen zu kämpfen. Demnach sind die Modelle ab `82 deutlich interessanter. Dabei ist der 635 CSI aus allen Baujahren das begehrteste Modell. Im Besten Fall mit Vollausstattung… Eine passende, preisgünstigere, Alternative ist der 628 CSI.

Porsche 996/966: Bei den Porsches könnte sich ein Blick auf den 911er der Baureihe 996 aus den Modelljahren 1998 bis 2005 lohnen. Auch hier sind die Modell nach der Modellpflege die besseren. Das trifft besonders für den 996 ab 2003 zu.  Hier gibt es 3,6 Liter Hubraum mit 320 PS statt 300 PS zuvor. Ebenso sind die Motoren standhafter und leiden weniger unter Ölverlust. Ebenso wurde der „Siegelei“Scheinwerfer ersetzt.

Eine besondere Spezies: Vorkriegsmodelle

Hier entsteht zunehmen das Problem, dass es kaum noch Menschen gibt, die einen persönlichen Bezug zu den alten Klassikern wie z.B. Opel Laubfrosch oder Ford Model T haben. Denn zu lange sind die Zeiten her, in denen zu Kindertagen diese Autos über die Straßen tuckerten. So kann die Geldanlage in den Oldtimer schnell zum Minusgeschäft werden. Kosten für Instandhaltung und Stellplatz fressen die Rendite unaufhaltsam, ein Wiederverkauf wird zunehmen schwerer. Denn erst wenn viele Anleger sich für ein bestimmtes Fahrzeug interessieren, steigt die Chance auf einen lohnenden Wiederverkauf.

Selbst schon alte Verkaufsschlager wie z.B. der Opel Kadett K38 mit selbsttragender Karosse und 23 PS haben es da schwer… Eine Reisegeschwindigkeit von 60 km/h eignet sich heutzutage nur noch bedingt für den Einsatz im Alltag und so fristet der Traumwagen sein Dasein womöglich nur in der Garage…

Fazit:

® markusspiske – pixabay.com

Dennoch sind besonders Autos mit emotionalem Bezug begehrt. Das zeigt auch die Preisentwicklung: in den letzten Jahren gab es kaum einen Oldtimer, der nicht mindestens die Inflation ausgeglichen hat. Als realistisch können durchaus Renditen von 5-7% im Jahr erzielt werden. Vor Abzug aller Kosten – versteht sich.

Etwas werden die Preisentwicklungen der letzten 20 Jahre allerdings durch die Euro-Einführung verwässert. Hier wurden bereits nach kurzer Zeit die Preise einfach 1:1 umgerechnet – und auch bezahlt. Allerdings ist der Kauf unter rein spekulativen Gesichtspunkten nicht die beste Option. Eine gehörige Portion Spaß bzw. Freude am Auto sollte durchaus zu einer möglichen Kaufentscheidung beitragen. Denn nicht immer entwicklen sich die „üblichen Verdächtigen“ im Wert so, wie man es sich gedacht hätte.

2 Kommentare
  1. Finanzielle Freiheit
    Finanzielle Freiheit says:

    Oldtimer können ein wunderschönes Hobby sein! Frage mich, warum das nicht ausreicht und sie daher auch als Geldanlage herhalten müssen.

    Mein Kommtenar lässt sich analog auch auf Gemälde, Whiskey, Handtaschen, etc übertragen ;-))

    Antworten

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